Das zweite Wochenende - NOHV-Verbandsfest

OK-Präsident Viktor Stüdeli montiert das Horn an der FahneNordostschweizerisches Verbandsfest in Selzach

Samstag/Sonntag, 24./25. August 2013

Eine Woche nach dem Interkantonalen musste sich das OK um Gemeindeammann Viktor Stüdeli erneut bewähren. Man hatte aus den kleinen Fehlern und Erkenntnissen vom ersten Wochenende die Lehren gezogen und gewisse Anpassungen vorgenommen. Einzig auf das Wetter konnten die Selzacher leider keinen Einfluss nehmen und zumindest am Samstag des NOHV-Verbandsfestes war Petrus auf keinen Fall ein Hornusser. Die Prognosen liessen nichts Gutes vermuten und so kam es dann für die Hornusser knüppeldick.

Samstag, 24. August

Die Hornusser der 1. und 2. Stärkeklasse ahnten wohl, dass es an ihrem Spieltag nicht trocken bleiben würde und reisten rechtzeitig an. Obmann Roman Schaad nutzte dies zu einem Frühstart und liess den Böller bereits um 09.15 Uhr krachen. Während die Hornusser ihren Wettkampf austrugen, kamen von Westen her immer bedrohlichere Regenwolken daher und kurz vor Ende des Anhornussens begann es in Strömen zu regnen. Die Selzacher Witi, bis zu diesem Zeitpunkt vom schönen und windigen Wetter ausgetrocknet, konnte die Wassermassen nicht schlucken. So verwandelten sich die obersten 2-3cm Boden in «Schmierseife». Jeder Schritt barg die Gefahr, eines Ausrutschers und es war zum Gehen wie auf rohen Eiern. Der Obmann verfügte eine Regenpause vorerst bis 13 Uhr. Bereits kurz nach 12.30 Uhr – es regnete immer noch anhaltend – wurde die Pause auf 14 Uhr verlängert und die Hornusser durften in der Festhütte eine warme Suppe geniessen. Um 13.30 Uhr entschied Roman Schaad schweren Herzens, den Wettkampf nach dem ersten Umgang, also nach lediglich zwei Streichen zu beenden, womit die Ausstichliste zur Schlussrangliste mutierte. Sensationell, wie die Hornusser diesen Entscheid mittrugen. Und ein grosses Kompliment an die Küche, die sich sehr flexibel zeigte und das Essen eine Stunde vorziehen konnte. Dies galt übrigens schliesslich auch für die Rangverkündigung.

In der 1. Stärkeklasse musste sich Zuchwil damit abfinden, auch am Verbandsfest die total verkorkste Saison nicht retten zu können. Sie mussten sich im 12er eine Nummer notieren lassen und fielen ausser Rang und Traktanden. Mit 662 schlugen sie klar die höchste Punktzahl, fielen aber mit der Nummer auf den 8. Rang zurück. Den Sieg erbte Lyss A, welches innert Wochenfrist in Selzach bereits das zweite Fest zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Mit 636 Punkten und tadelloser Riesarbeit verwiesen sie den letztjährigen Meister Recherswil-Kriegstetten A mit 621 Punkten auf den zweiten und Messen mit lediglich 563 Punkten auf die Ehrenplätze. Die weiteren Preisgewinner – alle auch ohne Nummer – waren Epsach A, Winterthur A und Recherswil-Kriegstetten B.

Bei den Einzelschlägern lag nach nur 2 Streichen naturgemäss alles ziemlich beieinander. Reto Glauser, Recherswil-Kriegstetten nutzte auf jeden Fall die Gunst der Stunde und schlug einen 24er und einen 22er was ihm den Sieg einbrachte. Mit je 44 Punkten (alles 22er) folgten Roland Wälchli, Winistorf-Seeberg, Benjamin Lehmann, Zuchwil und Christoph Schenk, Winistorf-Seeberg. Als bester Nachwuchshornusser wurde Silvan Binggeli, 99, Zuchwil mit den Streichen 15 und 16 mit einer Glocke ausgezeichnet.

Auch in der zweiten Stärkeklasse strauchelte ein Favorit wegen einer Nummer. Obergerlafingen A schlug hier mit 543 Punkten ebenfalls die höchste Punktzahl, fiel aber mit der kassierten Nummer auch auf Rang acht zurück. Den Sieg erbten die Bernjurassier aus Tramelan mit fehlerfreier Riesarbeit und 524 Punkten. Biberist-Dorf mit 513 und Aetingen A mit 489 Punkten belegten die beiden anderen Hornplätze.

Immerhin noch mit einer schönen Treichel nach Hause fahren durften Grenchen, Aeschi A und Biel-Schwadernau A. Sie alle hatten auch keine Nummer zu vermelden.

Bester Einzelschläger war hier einmal mehr Simon Flükiger, Tramelan. Mit den Streichen 21 und 20 verwies er den Biberister Dario Cobuccio um einen Punkt auf Rang zwei. Die dritte Glocke gewann dessen Teamkollege Andreas Burri, mit 39 Punkten vor dem punktgleichen Kummer Mathias, Limpach.

Als bester Nachwuchshornusser konnte sich der Ostschweizer Rony Germann, 98, Frauenfeld-Schaffhausen mit den beiden 13ern im 119. Rang feiern lassen.

Sonntag, 25. August

Gestützt auf die Erfahrung vom Vortag, den Wetterprognosen und den Radarbildern am Sonntagmorgen entschlossen sich die Verantwortlichen um Vize-Obmann Samuel Krebs, den Wettkampf ohne Unterbruch durchzuziehen und fliegend zu verpflegen. Es war nämlich Regen angesagt und ab Mittag gar Gewitter. So wurden alle drei Umgänge durchgezogen und es tröpfelte ab und zu etwas. Hin und wieder zogen auch bedrohlich aussehende schwarze Wolken durch, aber im Grossen und Ganzen blieb es mehrheitlich trocken. Das OK und auch die Festwirtschaft zeigten die nötige Flexibilität und so konnte früher gegessen und die Rangverkündigung schliesslich ebenfalls gut eine halbe Stunde früher durchgeführt werden.

In der 3. Stärkeklasse strauchelten Mülchi, Dotzigen, Epsach B sowie Studen-Madretsch mit je einer Nummer und einer Schlagleistung die eigentlich gegen den schliesslichen Sieger ausgereicht hätte. Aber eben, die fehlerfreie Arbeit im Ries und das nötige Quäntchen Glück entscheiden im Hornussen oftmals über Sieg oder Niederlage. Diessbach bei Büren gewann diese Stärkeklasse mit 1139 Punkten vor Frauchwil-Zimlisberg mit 1110 und Obergerlafingen B mit 1071 Punkten. Diese drei Mannschaften waren auch gleich die einzigen ohne Nummer. Die weiteren Preisgewinner wiesen dann alle bereits eine Nummer auf und belegten die Ränge 4-6 wie folgt: Mülchi (1277), Dotzigen (1223) und Epsach B (1212).

Bei den Einzelschlägern war nach einer längeren Durststrecke wieder einmal der Name Peter Salzmann zu lesen. Der Landwirt aus Mülchi zeigte eine konstante Leistung und schlug mit den Streichen 20, 19, 20, 21, 18 und 20 ein Total von 118 Punkten, was ihm zum Sieg reichte. Florian Ruch, Diessbach bei Büren, belegte mit 115 Punkten den zweiten und Ulrich Kunz, Mülchi, mit 110 Punkten den 3. Rang. Als bester Nachwuchshornusser konnte sich Dominik Schwaller, 99, Recherswil-Kriegstetten, mit 52 Punkten im 162. Rang feiern lassen.

Für einmal blieben in der «schwächsten» Stärkeklasse mehr Mannschaften ohne Nummer, nämlich 6 von 10. Wohl keine Gesellschaft schrieb eine erfolgreichere Geschichte in Selzach als Lyss. An beiden Wochenenden gewannen die Seeländer die 1. Stärkeklasse und nun die B-Mannschaft auch noch die 4. Ein vermutlich tolles Gefühl nach den Turbulenzen mit dem Eidgenössischen im vergangenen Jahr. Sie verwiesen mit 1387 Punkten Verfolger Aeschi B (1152) und Halten (1123) auf die Ehrenplätze. Immerhin noch eine Treichel konnten sich die beiden Ostschweizer Mannschaften Obfelden mit 1117 und Winterthur B mit 866 Punkten abholen. Die letzte ging an Aetingen B mit 787 Punkten.

Bei den Einzelschlägern dann der totale Triumpf der Lysser. Alle 5 Kränze mit Rang holten sie ab. Thomas Pauli gewann mit 111Punkten (21, 20, 21, 16, 21, 12) und verwies Michael Moser (109), Walter Rothenbühler (105.), Stefan Fankhauser (14) und Soller René (103) auf die Plätze. Da musste man dem besten Nachwuchshornusser für den farblichen Unterschied auf der Bühne dankbar sein. Diesen setzte Sven Affolter, 97, Aeschi B, mit 67 Punkten im 70. Rang.

Ja, und dann waren gute zwei Jahre Vorbereitungsarbeit im OK und 14 Tage Aufbauarbeit für die Mitglieder der HG Selzach-Solothurn auf einmal vorbei. Als ich am frühen Abend das Rechnungsbüro verliess, waren die Aussenstände bereits abgeräumt, die Festhütte und die Bar leer, Tische und Bänke geordnet gestapelt. Überall wurde geputzt, ab- und weggeräumt und in ein paar Tagen wird kaum noch etwas an diese beiden Hornusserfeste erinnern. Es bleibt zu hoffen, dass der Einsatz und Elan aller Beteiligten bei den Aktiven und Besuchern dieser Anlässe in Erinnerung bleiben und den Organisatoren ein angemessener Lohn bleiben wird. Nur so ist gewährleistet, dass weitere Festorganisatoren gefunden werden können.

Jürg Lysser, Aarwangen

Pressechef Feste Selzach